Designentwicklung im Kontekt Raum und Büro

Im Teil 1 des Gastbeitrags von Tanita Schneider, Markenstrategin und Brand Designerin, geht um Design. Wie Design Wiedererkennung und Vertrauen schafft und das auch Büroräume als visuelle Ebene ein wichtiger Teil von gutem Brand Design sind. Im vorliegenden Beitrag schreibt Tanita über Designentwicklung. Design in Verbindung mit Gefühlen und Emotionen.

Tanita schreibt wie erlebbares Design nachhaltig starke Marken prägt. Wie sich die Werte einer guten Marke, wie ein roter Faden durch die gesamte Gestaltung ziehen und wie die Markenwirkung durch Farb- und Formgestaltung im Kontext Raum und Büro zusammenhängt.

Design weckt Emotionen einer Marke

Meist können Kunden nicht genau begründen, weshalb sie besondere Marken oder Unternehmen bevorzugen, da die Markenanziehung und -präferenz im impliziten, unbewussten System des Gehirns stattfindet. Erfolgreicher Markenaufbau zeigt sich darin, dass sich bei der Zielgruppe eine implizite Markenbedeutung festigt. Diese weckt im unbewussten Hirnareal der Kunden eine emotional positive Wirkung und gibt ihnen ein gutes Gefühl. Das implizite Zuweisen einer bestimmten Bedeutung führt letztendlich zur Anziehungskraft der Marke. Durch das Aufladen der Marke mit Bedeutungen, das heißt mit tief im Gedächtnis verankerten Emotionen, können langfristige, stabile Beziehungen aufgebaut werden und Kunden zu Fans und damit verbunden „Wiederkäufern“ gemacht werden.

Büroräume durch Design erlebbar machen

Starke Marken bleiben nicht nur durch ihr Design oder ihre Kommunikation im Kopf, sondern vor allem durch das Erlebnis, das sie für ihre Kunden schaffen. Durch das Erleben auf allen Ebenen und mit unterschiedlichen Sinnen werden sie besonders gut in den Köpfen der Kunden verankert. Genau dieses Prinzip können sich Marken und Unternehmen bei der Gestaltung ihrer Räume und Büros zunutze machen.

Wie können Emotionen durch Design vermittelt werden?

In der Designentwicklung, als Leitplanken für ein emotionales und stringentes Markenbild, nutze ich die Werte der Marke und ziehe diese wie einen roten Faden durch die Gestaltung. Anhand der Werte kann immer wieder geprüft werden, ob das Design der verschiedensten Anwendungen (von Social Media, Website bis zur Büroeinrichtung) zur Markenidentität passt und das Unternehmen authentisch sichtbar macht.

Das mag zunächst abstrakt klingen, hilft aber dabei, die Markenidentität visuell greifbar zu machen. Im ersten Schritt empfehle ich, zu jedem Wert ein Moodboard mit Bildern und Begriffen zu erstellen, die den jeweiligen Wert visuell sichtbar machen bzw. ausdrücken.

  • Wie sieht der Markenwert xy für unser Unternehmen aus?
  • Welche Farben, Formen, Strukturen verbinden wir damit?
  • Ist der Wert eher dunkel oder hell? Sanft oder kontrastreich? Natürlich oder inszeniert? Reduziert oder verspielt? Rund oder kantig?

Der Wert „Klarheit“ deutet für mich zum Beispiel auf eine einfache Formensprache und reduzierte Farben hin, wohingegen „Dynamik“ oder „Lebendigkeit“ eher durch eine spannungsvolle Gestaltung oder freundliche Farben ausgedrückt werden könnten

Designentwicklung durch Moodboards

Wert: Lebendigkeit

Designentwicklung durch Moodboards

Wert: Klarheit

Designentwicklung durch Farbgestaltung für mehr Emotionen und Markenwirkung

Im Kontext Raum und Markenerlebnis kann insbesondere mit Farben und Formensprache gearbeitet werden. Farben beeinflussen 90% der Markenwahrnehmung und bestimmen den ersten Eindruck. Das liegt insbesondere an der Wirkung von Farben auf das Unterbewusstsein der Kunden. Bei der Auswahl der Farben sollte also in jedem Fall die Farbwirkung beachtet werden und auf keinen Fall nur der persönliche Geschmack verfolgt werden. In der Evolution des Menschen haben sich für Farben bestimmte Charakteristika und Bedeutungen entwickelt. Farben weisen in der Natur nicht nur auf verdorbene Früchte hin, sondern warnen auch vor giftigen Tieren. Es lohnt sich deshalb, diese ursprüngliche Verbindung aus Farbe und Wirkung etwas näher zu betrachten und bei der Farbauswahl zu berücksichtigen.

Farben wirken sich neben der physiologische Erregung/Aktivierung (Herzschlag und Blutdruck) auch auf Emotionen (Freude, Neugierde, Ekel etc.) und Verhalten (Zuneigung, Offenheit etc.) aus und schaffen dadurch Wiedererkennung und Zugehörigkeit. Ein Schriftzug in Magenta, eine blaue Cremedose, eine Flasche mit rotem Etikett – wir wissen auch ohne Markenname oder Logo sofort, dass es hier um Telekom, Nivea und Coca-Cola geht.

95% all unserer Entscheidungen treffen wir unbewusst.

Ein kleiner Einblick in verschiedene Farbwirkungen:

Rot: Rot ist eine sehr energiegeladene Farbe, die Leidenschaft, Aufmerksamkeit, aber auch Gefahr signalisiert. Schon seit Jahrtausenden warnen giftige Früchte mit einer auffälligen Rotfärbung. Im Lebensmittelbereich wird Rot verwendet, um den Appetit anzuregen. Bei großen Marken wie Netflix oder Coca-Cola wird mit der Aufmerksamkeit erregenden Wirkung der Signalfarbe gearbeitet.

Gelb: Mit Gelb wird Lebensfreude, Spontanität und Hoffnung assoziiert. Gelb ist die Sonne, steht für Sommer, Spaß und Fröhlichkeit. Die Farbe Gelb schafft außerdem Aufmerksamkeit und wird wie Rot auch als Warnfarbe eingesetzt. Hellgelb schafft Aufmerksamkeit, Sonnengelb wirkt fröhlich, Neon-Gelb hingegen kann hingegen schnell billig wirken.

Orange: Orange steht für Jugendlichkeit, Kreativität und Enthusiasmus. Orange ist frisch und fröhlich, jung und kreativ.

Grün: Grün wird vor allem mit Natürlichkeit, Wachstum und Harmonie in Verbindung gebracht. Grün schafft Ausgeglichenheit und Entspannung. Durch die Verknüpfung mit der Natur nutzen insbesondere Unternehmen die Farbe, um auf Nachhaltigkeit und Ökologie hinzudeuten.

Blau: Blau ist eine der am häufigsten verwendeten Farben in der Unternehmensgestaltung. Die Farbe vermittelt Ruhe, Vertrauen, Kompetenz und Intelligenz. Früher die Farbe der Herrscher, steht Blau heute vor allem für Kompetenz, Professionalität und Sicherheit. Ob IT-Firmen, Finanzkonzerne, Großkonzerne oder zahlreiche Versicherungen – sie alle nutzen nicht ohne Grund Blau in ihrem Design.

Violett: Purpur steht seit jeher für Macht und Luxus. Violett vermittelt einen Hauch von Spiritualität und Mystik. In der Kommunikation erzeugt Violett häufig eine Wirkung von Exklusivität.

Rosa: Die Farbe Rosa wirkt sehr sanft und vermittelt einen weiblichen, femininen Charakter. Mit Attributen wie Jugend, Romantik, Verliebtheit wird Rosa häufig für Kosmetikmarken verwendet. Wenn das Rosa eher zu Pink wird, werden Emotionen wie Idealismus, Dankbarkeit und Mitgefühl mit der Farbe verbunden.

Schwarz: Schwarz ist eigentlich eine neutrale Farbe und löst dennoch viele Assoziationen aus. Schwarz steht für Eleganz, aber auch für Kraft und Perfektion. Im Branding strahlt Schwarz Seriosität und Luxus aus und erzielt eine geheimnisvolle und elegante Wirkung. Als neutrale Farbe kann Schwarz hervorragend mit anderen Farben kombiniert werden.

Grau: Grau steht für Zuverlässigkeit und Verantwortung. Grau kann sehr gut als Ergänzung zu anderen Farben genutzt werden, um deren Wirkung zu verstärken. In Kombination mit Blau steht Grau für die Kombination aus Verlässlichkeit und Konservatismus.

Weiß: Weiß strahlt Unschuld und Reinheit aus. Auch Sauberkeit und Minimalismus werden mit Weiß assoziiert. Für viele Marken dient Weiß als Hintergrund, um Logos oder sonstige Gestaltungselemente hervorzuheben. Weiß lässt sich mit nahezu jeder anderen Farbe kombinieren

Markenwirkung durch Formgestaltung

Neben Farben können auch bestimmte Formen und Strukturen die Wirkung der Marke beeinflussen und dafür sorgen, dass bestimmte Emotionen mehr oder weniger intensiv vermittelt und in den Köpfen der Kunden verankert werden.

Linien: Während Linien dynamisch, zielstrebig und unbeirrbar wirken, sind geschlossene, flächige Formen in ihrer Wirkung als eher standfest und ruhig. Eine aufstrebende Linie wird im europäischen Raum als zielgerichtet, positiv und richtungsweisend wahrgenommen, wohingegen eine waagerechte Gerade Ruhe vermittelt.

Rechtecke: Rechtecke wirken, je nachdem wie sie verwendet werden, entweder sperrig oder beständig. Oftmals gelten sie als Begrenzungen oder sicherer Rahmen, geben Orientierung und schaffen Abwechslung.

Kreis: Ein Kreis wirkt ausgeglichen und geschlossen. Durch den Fokus auf die Kreismitte kann eine Ellipse gut genutzt werden, um Vollständigkeit oder Ganzheit zu transportieren. Runde, organische Formen wirken weicher und natürlicher als eckige Formen und können daher in Designs verwendet werden, wenn Ganzheitlichkeit vermittelt werden soll.

Dreiecke: Dreiecke werden aufgrund der Dynamik und spitzen Form häufig als Warnhinweise verwendet. Sie vermitteln Überlegenheit und geben eine Richtung vor. Eine Pfeilwirkung entsteht, wenn sich die Basis von der Spitze unterscheiden lässt, wie z.B. bei einem spitzwinkligen Dreieck

„Es gibt heute unendliche Möglichkeiten, Markenerlebnisse zu kreieren und Unternehmen emotional zugänglich zu gestalten. Ob über das Markenbild ansich, die Kommunikation oder einzigartige Räume – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Bestimmte Formen können in Kombination mit ausgewählten Farben ganz neue Wirkungen erzeugen – und ergänzt durch Muster, Schriften oder plakative Gestaltungselemente ein einzigartiges Unternehmensbild (intern wie extern) formen.“

Tanita Schneider

What´s next?

Haben Sie bereits den Teil 1 des Gastbeitrags von Tanita Schneider gelesen? Hier geht es um Design im Büro. Wie Design Orientierung, Vertrauen und Differenzierung schafft. Hört sich interessant an, dann nichts wie los.

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